klinergie 2020

Klinikinterne Energiewende durch verändertes Nutzerverhalten

Das Mutterhaus der Borromäerinnen, das zweitgrößte Klinikum der Stadt Trier, will mit einem selbst gesetzten Energiesparziel Akzente setzen. Unter dem Motto "Sei helle. Spar Watt" sollen in Zukunft alle Mitarbeiter zur Vermeidung von unnötigem Energieverbrauch motiviert und dafür sensibilisiert werden, auch bei hektischem Betrieb noch an den "Aus-Knopf" ungenutzter Geräte und das Schließen von Fenstern zu denken. Eingeläutet wird damit die zweite Phase eines Projektes, das zunächst mit einer technischen Bestandsaufnahme begann. Unterstützt wird das Mutterhaus dabei sowohl von der Fachhochschule als auch von der Universität.

Ziel der klinikinternen Energiewende, die bislang in einem Gebäudeteil des Mutterhauses in einer Testphase lief, ist die Reduktion unnötigen Energieverbrauchs und die Vermeidung überflüssiger Kohlendioxidemissionen in einem Krankenhaus, das bislang jährlich rund zwei Millionen Euro an Heiz- und Stromkosten aufbringen musste. Bei der Aktion "Sei helle. Spar Watt" geht es vor allem um die Motivation des Krankenhauspersonals. Fortgesetzt wird damit, was bereits 2007 mit der Zusammenarbeit zwischen dem Mutterhaus und einer Arbeitsgruppe der Fachhochschule Trier unter der Leitung Professor Werner Amelings begann. Eine Diplomarbeit lieferte damals die Analyse des Energieverbrauchs des Klinikums – mit dem Ergebnis, dass das Mutterhaus im Vergleich zu anderen Einrichtungen dieser Größenordnung vergleichsweise schlecht abschnitt. Durch die Umstellung der Belüftungsanlage von einem Rund-um-die-Uhr- auf einen bedarfsorientierten Betrieb konnten bereits knapp 80.000 Euro jährlich eingespart werden.

Dabei soll es jedoch nicht bleiben, denn auch "nutzerspezifisches Fehlverhalten" zähle zu den vermeidbaren Ursachen des hohen Energieverbrauchs, wie Ameling feststellte. Um das Personal zu motivieren, suchte das bisherige Team Verstärkung im Fach Psychologie der Universität. Unter der Leitung des Privatdozenten Friedemann Gerhards führten die beiden angehenden Psychologinnen Julia Schwind und Eva Kraus im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine erste, mehrmonatige Testphase im Gebäudeteil C des Mutterhauses durch, beobachteten zunächst "inkognito" das Verhalten der Mitarbeiter und lieferten schließlich Anregungen für Verhaltensänderungen. Sechs Prozent des vorherigen Energieverbauchs konnten so allein durch größere Achtsamkeit eingespart werden, dadurch dass zum Beispiel Fenster bei laufender Heizung nicht mehr dauerhaft offen standen und PC-Monitore und Lichter dort ausgeschaltet wurden, wo sie niemand brauchte. Der forcierte Wandel hat jedoch nach Aussagen der Initiatoren auch seine Grenzen. Der normale Betrieb des zweitgrößten Trierer Klinikums solle unter dem neuen Energiebewusstsein nicht leiden, die Qualität der Arbeit nicht gemindert werden, weder das Personal noch die Patienten sollen frieren.

Was bislang nur einen Teil des Mutterhauses betraf, wird seit dem 8. Januar auf das gesamte Klinikum übertragen – begleitet von Maskottchen "Brighty", einer freundlich lächelnden Energiesparlampe, die Studenten des Faches "Intermediales Design" der FH entwickelten. Von der psychologischen Unterstützung einmal abgesehen, sollen Anreize für die Mitarbeiter jedoch auch aus der Konkurrenz der einzelnen Abteilungen in einer Art Wettbewerb entstehen. Als weiteres Lockmittel wird schließlich die Aussicht auf den sinnvollen Einsatz des gesparten Geldes dienen: Fünf Prozent der voraussichtlich sechsprozentigen Einsparung gehen an Projekte in Tansania, weitere fünf Prozent werden den Mitarbeitern in Form von Sachleistungen zugute kommen. Anvisiertes Fernziel des Klinikums ist das BUND-Gütesiegel "Energie sparendes Krankenhaus", das unter anderem eine Reduktion der Kohlendioxidemissionen um 25 Prozent erfordert.

 

Weitere Informationen:

Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen gGmbH
Feldstraße 16
54290 Trier

Herrn Peter Leonards

Telefon: 0651 / 947-0