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Praxisberichte Energiemanagement

Forschungsprojekt »Energieeffiziente Krankenhäuser«

Fraunhofer UMSICHT untersucht Energieeffizienz in 20 Krankenhäusern

In Deutschland gab es laut Statistischem Bundesamt 2006 insgesamt ca. 2.100 Krankenhäuser mit rund 510.000 Betten. Dabei spielen die Energiekosten vor dem Hintergrund des wachsenden Marktdruckes und der steigenden Energiepreise eine wichtige Rolle für die Konkurrenzfähigkeit der Krankenhäuser. Dabei ist der Energiehunger enorm: pro Bett werden im Durchschnitt umgerechnet ca. 2 700 l Öl und ca. 8 000 kWh Strom pro Jahr verbraucht. Das liegt deutlich über dem Energiebedarf einer Familie mit einem modernen Einfamilienhaus.

Um Einsparpotenziale aufzudecken und den Energiebedarf in Krankenhäusern transparent zu machen, untersucht das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT die Effizienz der Energieversorgung in 20 Krankenhäusern. In dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt werden zunächst umfangreiche Energiemengenmessungen in den Bereichen Heizung, Kälteerzeugung, Warmwasserversorgung, Lüftung und Aufzüge durchgeführt. Daraus lassen sich direkt Einsparmaßnahmen ableiten. Betriebsparameter wie Temperatur, Fließgeschwindigkeiten und Betriebszeiten werden sichtbar und können optimiert werden. Häufig können schon mit einer einfachen Anpassung der Regelparameter deutliche Einsparungen erzielt werden. Entsprechend dem Bedarf, den die Energieversorgungsanlage decken muss, werden die Parameter auf ein erforderliches Mindestmaß reduziert. Bei Heizungsanlagen heißt dies, die Temperatur möglichst abzusenken, bei Kältemaschinen sollte die Vorlauftemperatur nicht unter 6 °C fallen. Dadurch werden Verluste minimiert und der Wirkungsgrad angehoben.

In einem nächsten Schritt werden die Messergebnisse ausgewertet und mit den Eigenschaften der Krankenhäuser in Verbindung gebracht. In der Vergangenheit wurden Energieverbrauch und –kosten lediglich auf allgemeine Größen wie Bettenzahl, Fallzahl oder Gesamtfläche bezogen, so dass ein Vergleich zwischen Krankenhäusern nicht möglich war: eine Augenklinik ist im flächenbezogenen Energiebedarf nicht mit einer hochtechnisierten Unfallklinik vergleichbar, so dass sich keine Ansätze für Einsparmaßnahmen ableiten lassen. Im Gegensatz dazu wird im Forschungsprojekt von Fraunhofer UMSICHT den Eigenschaften der Krankenhäuser bei der Beurteilung des Energiebedarfes Rechnung getragen. Schließlich haben Eigenschaften wie Kompaktheit, Baualter und medizinische Nutzung einen großen Einfluss auf den erforderlichen Energieeinsatz. Im Vergleich der Krankenhäuser kann dieser Zusammenhang entschlüsselt werden. Die Datenerfassung konzentriert sich dabei auf leicht zu erfassende Größen, um den Aufwand zur Erhebung auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Projekterfahrungen zeigen, dass die Datenbasis in vielen Krankenhäusern für einen aussagekräftigen Vergleich noch nicht ausreichend ist. Mit der Erstellung der Energieausweise wird sich die Datensituation in den Einrichtungen aber deutlich verbessern. Ist die Datenbasis geschaffen, liefern die Kenndaten wichtige Informationen sowohl für den Anlagenbetrieb als auch für Baumaßnahmen der Krankenhäuser.  Eine Kostenverteilung oder eine Kostenabrechnung z.B. für externe Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen werden dadurch erleichtert oder erst möglich.

Abschließend werden aus den Projektergebnissen allgemeine Best-Practice-Lösungen erarbeitet. Ausgehend von den Krankenhäusern mit einer sehr guten Energieeffizienz wird aufgezeigt, wie Energie eingespart werden kann. Weiterhin fließt in die Entwicklung allgemeiner Einsparmaßnahmen sowohl technologische Neuerungen, die marktverfügbar sind und bereits erfolgreich eingesetzt werden, als auch wertvolle Praxiserfahrungen aus den Krankenhäusern und der Begehung vor Ort.

Fraunhofer UMSICHT hat das Forschungsprojekt „Energieeffiziente Krankenhäuser“ Ende 2008 abgeschlossen und die Ergebnisse in einem Abschlussbericht sowie auf einer eigenen Veranstaltung veröffentlicht.

 

Kontakt:

Dipl.Ing. Carsten Beier
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits-
und Energietechnik UMSICHT
Osterfelder Straße 3
46047 Oberhausen

mail: carsten.beier(at)umsicht.fraunhofer.de

 

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